Die Geschichte von San Michele

Submitted by Ilze Girgensone on Thu, 2010-10-07 08:54.

Foto Peter de RuFoto Peter de Ru

“Die Geschichte von San Michele“ wird als das Lebenswerk von Munthe angesehen. Die meiste Zeit verbrachte er damit, an diesem Buch zu schreiben. Es ist die Geschichte seines Lebens und die seines Zuhauses, wie der Buchtitel schon besagt.

Im Vorwort der schwedischen Ausgabe verneint Munthe jedoch, dass es sich um eine Autobiographie handelt.

 Munthe  schreibt dazu:

”Die englischen Kritiker taten sich schwer, die Geschichte von San Michele einzuordnen. Für die einen war es eine Autobiographie, für die anderen die Memoiren eines Arztes. Aber das Buch ist weder das eine noch das andere (Munte 1930, S. vjjj)

Auch nachdem seine Bücher bereits geschrieben und verlegt waren, kümmerte sich Axel Munthe noch weiter um sie. Er verhandelte mit den Verlegern, beriet was die Publikationen betraf und nutzte gerne das Vorwort, um sowohl sein schriftstellerisches Gesamtwerk als auch den einzelnen Text zu kommentieren.

Jedes Vorwort folgte dem gleichen Schema. Munthe gestand, er habe gezögert den Text zu veröffentlichen, habe sich dann aber doch überzeugen lassen. Seine Absicht war es, die Texte vor der Veröffentlichung zu korrigieren und zu überarbeiten, aber es war ihm nicht möglich gewesen. Hätte er die Texte sorgfältig auswählen können, wäre nach eigener Aussage nicht mehr viel zum Veröffentlichen übriggeblieben. In Wirklichkeit ist er gar kein Schriftsteller und erwartet scharfe Kritik. In “Från Naploi. Resebref” schreibt er scherzend  mit einem ironischen Unterton:

Munthe schreibt dazu:

”Bevor die Herren Kritiker beginnen mich lebendig zu verspeisen, möchte ich sie vorwarnen, es könnte sein, dass sie einige Choleramikroben dabei zu sich nehmen....” (Munthe, 1885)

Die Tendenz zur falschen Bescheidenheit findet man auch weiterhin in all seinen Bücher trotz aller bisherigen Erfolge bei den Lesern und Kritikern.

Ein weiterer Trick sich von seiner Rolle als Autor zu distanzieren, ist das Spiel mit der Identität. Durch die Übernahme verschiedener Rollen (Puck, Axel und zahlreiche andere wie der Esel Rosina, sie alle verleihen seinen Gedanken eine Stimme) kann er Verantwortung für die Texte übernehmen oder sie ablehnen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Vorwort zu “Från Napoli. Resebref”, wo er sich in der Rolle des Puck Axel Munthe von jedem Verdacht freispricht, der Buchautor zu sein, trotz der auffallenden Namensähnlichkeit mit dem wahren “Autor Puck Munthe”. Aber nicht einmal Puck Munthe wollte allein die ganze Verantwortung für den Inhalt des Buches übernehmen und gibt dem Esel Rosina, der auch auch in der Erzählung auftaucht, die Schuld. Später im “Små skizzer” bereut Puck sein Verhalten und übernimmt die Verantwortung für die Briefe aus Neapel.

Munthes sich Verstecken hinter verschiedenen Namen, verleiht der Erzählung eine humoristische Seite. Als Leser bringt er mich zum Schmunzeln, wenn er in die verschiedenen Rollen schlüpft und anderen - sich selbst - die Schuld gibt und wenn dann  letzten Endes der Esel als Autor hervorgeht. Das sich ständige Beziehen auf die vorhergehenden Texte ist gleichzeitig ein Kunstgriff alle Schriften zu einem Gesamtwerk zu vereinen.

Literatur und Kultur waren Bestandteile von Munthes Leben, aber es waren seine Erfahrungen als Arzt, die ihn zum Schreiben inspiriert haben. “Im Vorwort zur Geschichte von San Michele” schreibt er:

Munthe schreibt dazu:

”Ich bitte um nichts anderes, als dass man mir nicht immer glaubt, denn ich habe immer noch genügend Antworten parat. Es würde meiner Eitelkeit als Schriftsteller schmeicheln, wenn mir dies gelingen würde. Das Leben ist der beste Geschichtenerzähler” (Munthe, 1930, S.  ix)

Emma Strindmar Norström, Abteilung für Literatur,  Universität Stockholm