Foto: Peter de Ru Nur selten tragen Literatur und Wirklichkeit zum gegenseitigen Erfolg bei wie im Fall von San Michele. Die erste Auflage des Buches die Geschichte von San Michele von Dr. Axel Munthe, die 1929 in englischer Sprache erschien, war ein so großer Publikumserfolg, dass das Buch sofort wieder nachgedruckt werden musste. Schon im darauffolgenden Jahr kamen seine Leser nach Capri, um mit eigenen Augen sich das Haus anzuschauen, das den Autor zum Buchtitel inspiriert hatte.
Die Villa wurde bald zu einer Touristenattraktion und trug sehr zum Ruhm des Buches bei. Schon in den Dreißiger Jahren gab es eine Reihe von Übersetzungen. Derzeit liegen ungefähr 50 Übersetzungen in verschiedenen Sprachen vor.
Erdeös schreibt dazu:
Die Erklärung für den Erfolg liegt einerseits in der Erzählkunst des Autors und Eigentümers, der die Entstehungsgeschichte der Villa faszinierend zu beschreiben versteht und anderseits in der Villa selbst, die bei dem Besucher einen unauslöschlichen Eindruck hinterläßt. Der vorliegende Abschnitt legt dem interessierten Besucher grundlegende Informationen an die Hand, die zur besseren Orientierung innerhalb der detaillierten Beschreibungen dienen.
Die Villa San Michele ist kein privater Wohnsitz im eigentlichen Sinne des Wortes. Sie ist vielmehr das Zeugnis der Gedanken und Empfindungen Axel Munthes zum Thema Schönheit und Sinnfragen des Lebens. Trotzdem bleibt sie jederzeit offen für jegliche andere Interpretation.
Die Architektur wird eingesetzt um die Unendlichkeit der Landschaft zu unterstreichen. Sie bildet aber gleichzeitig auch den Rahmen für die künstlerischen Meisterwerke im Sinne der Romantik und des Symbolismus. In diesem Zusammenhang spielt der Garten eine wichtige Rolle. Charakteristisch sind beispielsweise die mit Kletterpflanzen überdeckten Statuen und der mit Moos überzogene Marmor, die sich im Garten verstreut befinden. Die Anzahl der Objekte aus Marmor, Stein, Mosaik und Terracotta beträgt circa 655. Gut 530 Objekte sind aus Holz, Metall, Keramik und Gewebe. Die Sammlungen scheinen einige Hauptthemen zu repräsentieren. Dies ist zum Beispiel der Fall bei den Natur- und Tierdarstellungen sowie bei den Darstellungen des Todes und der Sterblichkeit. Sie alle sind jedoch nicht nach einem bestimmten Plan aufgestellt. Man hat vielmehr den Eindruck, dass alle Ausstellungsstücke rein zufällig in Gruppen unterschiedlichster Qualität nebeneinander gestellt wurden. Dr. Munthes Interesse galt mehr der Botschaft und den persönlichen Erinnerungen, die ein Gegenstand heraufbeschwören konnte, als sein eigentlicher künstlerischer Wert. Dies fand seine Bestätigung darin, dass die Sammlungen keine Gegenstände enthalten, die als Gruppe aus anderen Sammlungen erworben wurden.
Der Museumsbestand umfaßt verschiedene Epochen und reicht vom Altertum bis zu den Anfängen des 19. Jahrhunderts. Das klassische Altertum wird durch Gegenstände aus der römischen, der ägyptischen und der etruskischen Zeit repräsentiert. Nur wenige Exemplare stammen aus der römischen Kaiservilla vor Ort. Es handelt sich um Bauüberreste, architektonische Elemente und Fresken.
Die Herkunft der Kunstgegenstände ist unterschiedlich. Die weitverzweigten Kontakte von Dr. Munthe in Europa reichten von Skandinavien nach Italien und von England bis nach Russland.
San Michele ist im wahrsten Sinne des Wortes die künstlerische Kreation eines Weltbürgers.